Werbung zum Abschminken

Markenbotschaft mit falschem Gesicht

Werber reden gerne von der Text-Bild-Schere. Ich rede gerne von Markenbotschaften, die sich selbst geschnitten haben.

Heute in meiner Twitter-Timeline gesichtet:

Maybellin

„Du bist toll, wie du bist! Kleiner Tipp von uns am Rande: Geh‘ beim Selfie aber lieber nicht zu nah ran! Ach ja, und schau mal: Was zum Abdecken deiner optischen Fehler haben wir auch!“ 

Liebe Texter von MAYBELLINE, was habt ihr euch dabei gedacht? Habt ihr gedacht? Vermutlich! Zum Beispiel, dass es unglaublich sympathisch ist, wenn ihr eurer Zielgruppe sagt, dass sie toll aussieht und sich so wohl fühlen darf, wie sie ist. Hat ja schon vor vielen Jahren bei DOVE sensationell funktioniert! Schade nur, dass ihr Schminke verkaufen wollt…

Drum prüfe, welche Aussagen man verbindet! Sonst malt ihr eurer Markenbotschaft ein absurdes Gesicht.

Wenn Kundenanfragen zu bunt werden

Kleiner Gedankenstreich zu großem Texterleiden

pfusch

Malen Sie sich das mal aus:

Sie nippte am Kaffee und blickte gedankenverloren an die Wand. Die könnte mal wieder einen Anstrich vertragen. Nächsten Monat kommen wichtige Neukunden zu einem Kick-off-Workshop. Da sollten die Büroräume schick aussehen. In der Nebenstraße ist doch ein Malerbetrieb. Der hatte das beim Nachbarbüro sauber und gut gemacht. Gleich mal anfragen…

Über eine Woche liegt das Angebot des Malerbetriebs nun schon auf ihrem Schreibtisch. Die Entscheidung ist irgendwie lästig. So viel Geld für etwas Farbe und ein paar Pinselstriche. Eigentlich kann man das doch selber machen. Mal sehen…

Es ist Wochenende. Nein: Es ist schon DAS Wochenende vor dem Kundentermin. Für den Malerauftrag ist es nun zu spät. Egal! Sie fährt Samstagmorgen in den Baumarkt und deckt sich mit Farbe und Zubehör ein. Wahnsinn, was für tolle Farben es gibt! Sonntagabend erstrahlt das Büro in modernem Ton und neuem Glanz. Zufrieden stellt sie die Möbel zurück und entsorgt den Malerabfall. War doch gar nicht so schwer. Und Geld gespart hat man auch noch ordentlich.

Montagmorgen. Die Sonne scheint ins Büro. Sie nippt am Kaffee und blickt gedankenverloren an die Wand. Verdammt! Wo kommen denn jetzt die Streifen her? Wieso blitzt die alte Farbe durch. Und irgendwie waren die Fenster- und Türrahmen wohl nicht sauber abgeklebt…

Genervt greift sie zum Hörer und wählt die Nummer des Malerbetriebs. „Guten Morgen! Sie wissen doch noch, meine Anfrage letzten Monat… Tut mir leid, dass ich mich jetzt erst melde. Habe das meiste eigentlich selbst hinbekommen. Könnten Sie vielleicht nur nochmal kurz drübergehen, damit das hübsch und ordentlich aussieht?… Nee, nächste Woche ist zu spät. Das müsste schon noch heute sein. Morgen früh kommen doch die neuen Kunden ins Büro. Sie können aber gerne den Schlüssel haben. Dann kommen Sie auch noch am Abend rein… Ach so. Ich gehe davon aus, das kostet ja dann nicht so viel, wie in Ihrem alten Angebot?! Sie müssen jetzt ja eigentlich nur noch ein bisschen korrigieren …“

Schwarzmalerei?

Mehr Arbeit (!) in kürzerer Zeit (!) für schlechtere Bezahlung (!) – Im Fall Malerarbeit mag der Denkfehler in dieser Geschichte offensichtlich sein. Im Fall Textauftrag? Oftmals nicht!

 

Weitgehend leere Botschaft

Textlicher Taschenspielertrick

nuss

Während sich die Werbeversprechen klassischer Konsumgüter gerne in Superlatiefen Superlativen suhlen, wird im Bereich von technischen Produktbeschreibungen oder bei industriellen Gütern auf solche Prahlereien tendenziell verzichtet –­ vorsichtshalber! Denn dort führen Übertreibungen schnell zu Imageschäden oder rechtlichen Unannehmlichkeiten.

Statt über sabbernde Superlative stolpert man in solide gehaltenen Werbetexten über eine ganz andere Unart(igkeit). Dort flirten Behauptungen all zu gerne mit dem Wörtchen „weitgehend“„weitgehend witterungsbeständig“, „weitgehend rostabweisend“ „weitgehend säureresistent“…

Ein ebenso raffinierter wie billiger Taschenspielertrick, der großspurige Werbeversprechen im gleichen Atemzug mit den Leitplanken der Unverfänglichkeit ausstattet.

An dem Hintertürchen, das dieser dehnbare Begriff stets offen hält, scheint sich in Werbeversprechen keiner ernstlich zu stoßen. Anders kann ich mir die Penetranz, mit der das Wort „weitgehend“ dort eingeflochten wird, nicht erklären.

Versucht das mal in anderen Bereichen! „Schatz, ich schwöre, ich bin weitgehend treu!“ „Lieber Kunde, selbstverständlich sind wir weitgehend ehrlich zu Ihnen.“ – Weitgehend untauglich, würde ich sagen.

Aber zeigen wir uns dankbar, denn es könnte schlimmer kommen. Stellt euch vor, der Superlativ nähme dort auch noch Einzug. Dann hätten wir nicht nur weitgehend, sondern weitestgehend leere Botschaften.

 

Namensfindung ist eine Ordnungswidrigkeit

Ein Markenname kostet 120 Euro und 3 Punkte.

blitz

Es war die Namensidee zu einer neuen Modemarke. Sie prallte mir laut Aktenzeichen am 6. Dezember 2011 gegen 17.15 Uhr auf der A60 bei Bischofsheim unvermittelt von innen gegen meine Schädeldecke. DAS ist es! Ungebremste Freude und – ZACK!

[Foto: Mein Geistesblitz und ich]
So war das. Und so stellen sich das viele vor: Ideen erscheinen aus dem Nichts. Das ist so ein Talent. Irgendeine Gabe. Gemischt mit einer seligen Portion Zufall.

Wie schwer es sein kann, wohlgeformte Worte als Wert und Leistung zu verkaufen, weiß vermutlich jeder Werbetexter. Die Thematik wird nicht unbedingt einfacher, wenn am Ende des Auftrages ein einsames Wort steht. Und warum überhaupt werden mehrere Arbeitstage dafür berechnet, wenn die Idee doch nur einen Zufall und wenige Sekunden in Anspruch nimmt? Weiterlesen

Bärenmarke rührt satten Brei.

Von allem etwas und eine Prise Weihnachtsduft.

 

 

 

 

 

Klicken zum Gucken. 

Was für ein Fest für die Verkaufssinne!

Und so (oder so ähnlich) kredenzten die verantwortlichen Köche wohl mit den Zutaten:

  •  „Wir haben ein super Urteil von Stiftung Warentest. Das ist immer verkaufsfördernd. Raus damit an die Öffentlichkeit!“ 
  • „Unbedingt sollten wir unser breites Sortiment anreißen. Wir bieten ja nicht nur schnöde Milch. sondern auch innovative Produktvarianten!“
  • „Wir wollten doch auch schon immer mal so eine Geld-Zurück-Garantie-Aktion machen. Die lösen Kaufblockaden. Wenn wir schon einen neuen Spot machen, dann machen wir das doch gleich mit. […] NEIN, das widerspricht doch nicht der Botschaft mit Stiftung Warentest. Wieso auch? Wir zeigen einfach doppelt, dass man uns vertrauen kann.“
  • “Wusstet ihr, dass es Bärenmarke schon 100 Jahre lang gibt. So ein Jubiläum weckt ebenfalls Vertrauen. Das passt doch prima auf einen Störer. Gold wäre fein. Ist wertig und weihnachtlich!“
  • „Wenn wir das alles in eine Schneekugel stopfen, den Text weihnachtlich spicken und unserem Maskottchen eine Weihnachtsmütze aufsetzen, schmeckt das prima zum anstehenden Weihnachtsfeste.“

5 frohe Kernbotschaften in 20 Sekunden. Mehr geht nicht!

Beifall vom Budget. Zufriedenes Kopfnicken vom Kunden. Kopf auf Tisch von mir.

Werbung mit ohne Qualität.

Qualität kommt von Qualle.

Qualität zu fairen Preisen. Wir machen Qualität. Qualität ist unser Anspruch. Qualität und Kompetenz. … Derartiges lesen wir zuhauf auf Firmenschildern, als Markenclaims, in Werbeanzeigen und Reklameblättchen.

Aber was ist dieses „Qualität“? Weiterlesen

Verbesserter Geschmack ist Käse!

So oft schon schüttelte ich den Kopf vorm Lebensmittelregal. Bevor nun dieser Käse aufgerissen wird, gestatte ich das auch meiner Bloggerschnute.

Was bitte will mir „Verbesserter Geschmack!“ sagen? Vielleicht:

„Unser Produkt hat unseren Käufern bisher nicht gemundet. Wir probieren es jetzt noch mal anders. Bitte probiert es auch noch einmal mit uns!“ Weiterlesen

Hach und weh!

Wahrhaft schöne Worte. Bissige Botschaft.

Neulich wieder im Wartezimmer. Ich saß, sah und ah!

Beim Blättern fiel eine Anzeige auf. Weil sie mir im Wald der hölzernen Texte eine sonnige Lichtung bot.

Doch und noch während ich mich zwischen den Zeilen sonnte, zuckte ein Nerv – (über)empfindlich.

Möchte ich als Liebhaber hochwertiger Holzmöbel wirklich vors Auge gehalten bekommen, dass für mein ersehntes Stück Möbel ein Baum zu Fall gebracht wird? Jener, welcher beinahe ein Jahrhundert wachsen durfte? Nachhaltigkeit hin oder her (die hier aber nicht zu Wort kommt).

Und ja, wir reden hier natürlich von dieser falschen Moral des Fleischfressers, der den Schlachthof verdrängt. Und geschlachtet wird immer. Ob glückliches Rind oder nicht. Aber auch dem Grillfreund halte ich nicht unbedingt das glücklich hüpfende Weidekälbchen vor die Nase, um ihm zu zeigen, wie hochwertig die Scheibe Fleisch ist, die er sich davon abschneiden lässt.

In diesem – moralisch selbstverständlich zweifelhaften – Sinne fühlte sich die Anzeige ein wenig an wie der Biss ins süße Speiseeis.

Trotzdem: Hach!

Team 7 ist ein sympathisches Unternehmen mit einem rundum ansprechenden Auftritt, authentischer Philosophie, wunderschönen Möbeln – und Worten, die nach Himbeereis schmecken. Ohne Schmerzen. Lecker! Bitte, kosten Sie!

Mit sonnigen und hochachtungsvollen Grüßen an dendiedas mir unbekannten Texterkollegen.

Mit Energie getextet.

Ein Rezept für Textatouille

Man nehme …

  • eine Portion Barack Obama (Yes we can.)
  • eine halbe Packung Ratiopharm (Gute Preise. Gute Besserung.);
    ersatzweise eine Philosophie von Saturn
  • einen Schuss Bob der Baumeister (Jo, wir schaffen das.)
  • eine Prise Namenswortergänzungsspiel (yESWE can)

Vorsichtig mit dem Schaumschläger aufmischen. Fertig zum Servieren.
Und jetzt: fressen!

So ein Eintopf entsteht, wenn alles gesagt und auf keinen Wortwitz verzichtet werden soll,
sehr wohl aber auf eine konkrete Aussage zu einem eigenen Markenkern.
Darauf können Sie sich verlassen. 

Bravo! Hier wurde Energie gespart. Beim Texten.
(Die Umwelt hat leider nichts davon.)