Werbung zum Abschminken

Markenbotschaft mit falschem Gesicht

Werber reden gerne von der Text-Bild-Schere. Ich rede gerne von Markenbotschaften, die sich selbst geschnitten haben.

Heute in meiner Twitter-Timeline gesichtet:

Maybellin

„Du bist toll, wie du bist! Kleiner Tipp von uns am Rande: Geh‘ beim Selfie aber lieber nicht zu nah ran! Ach ja, und schau mal: Was zum Abdecken deiner optischen Fehler haben wir auch!“ 

Liebe Texter von MAYBELLINE, was habt ihr euch dabei gedacht? Habt ihr gedacht? Vermutlich! Zum Beispiel, dass es unglaublich sympathisch ist, wenn ihr eurer Zielgruppe sagt, dass sie toll aussieht und sich so wohl fühlen darf, wie sie ist. Hat ja schon vor vielen Jahren bei DOVE sensationell funktioniert! Schade nur, dass ihr Schminke verkaufen wollt…

Drum prüfe, welche Aussagen man verbindet! Sonst malt ihr eurer Markenbotschaft ein absurdes Gesicht.

Akupunktur: Markenkommunikation medizinisch betrachtet

Warum Kreativität ohne Consumer Insights sticht, aber nicht wirkt.

Du musst Milch vermarkten. Welche Anzeige wählst du?

milchknochen

kuchen

Die meisten bevorzugen den „Knochen“. Sie finden das Werbemotiv kreativer. Zumal es ja einfach, clever und bildhaft den Vorteil der Milch – Nahrung für gesunde Knochen – auf den Punkt bringt.

Aber ist das auch der richtige Punkt?

Und genau das ist die Frage, die ich in meinem Job tagtäglich stelle – und damit meine Kunden durchaus nerve. Denn da liegt so eine hübsche und schlüssige Kampagne auf dem Tisch, und dann kommt jemand und hinterfragt alles. Das ist im Allgemeinen anstrengend! Und im Konkreten die Frage nach den Consumer Insights.

Da ich mich selbst ungern in solchen Marketingbegrifflichkeiten suhle, erkläre ich das meinen Kunden und Studenten gerne am Beispiel der Akupunktur.

Setzt man in der Akupunktur Nadeln an die richtigen Punkte, erzeugt man Energieströme, die ein gewünschtes Verhalten des Körpers stimulieren. Setzt man die Nadeln an die falschen Punkte, passiert nichts.

Platziere ich eine Marketingmaßnahme, die nicht haargenau auf den „Schmerzpunkt“ der Konsumenten trifft, bewege ich im Zweifel nichts. Und im schlimmsten Fall eine Reaktion in die falsche Richtung – so wie einst die legendären und vielfach prämierten (!) Camel-Spots aus den 90-iger Jahren, die die Markenanteile von Camel in Windeseile verrauchten.

Zurück zur Milch:

Die Molkerei-Lobbyisten vom California Milk Processor Board standen vor dem Problem stetig sinkender Absatzzahlen von Milch. In ihren Kampagnen kommunizierten sie bisher, unter dem Claim „Milk is always refreshing“, den gesunden Aspekt der Milch. Das auch durchaus kreativ, aber eben wirkungslos. Als die Absatzzahlen klein und die Schmerzen groß genug waren, initiierte man schließlich ein Experiment mit Fokusgruppen und forschte nach Consumer Insights.

Erste Erkenntnis:

Der rationale Benefit, dass Milch gesund und gut für den Knochenaufbau ist, war allen bekannt. Aber: Aus Konsumentensicht liefert dieser Aspekt keine Motivation, Milch zu kaufen. Man bezahlt hier also viel Geld, um aufzuklären, was alle schon wissen und keinen interessiert. So etwas bewegt nichts, außer Geld auf die Konten der Werbeindustrie. Oder anders gesagt: Diese Milchkampagne ist Käse!

Im weiteren Experiment setzte man die Probanden einige Tage auf Milchentzug.

Was ist passiert?

Es stellte sich heraus, dass ihnen die Milch gewaltig fehlt! Und zwar immer im Zusammenhang mit anderen Lebensmitteln, so zum Beispiel zu Frühstückscerealien, Kaffee und Kuchen. Der Treiber für den Kauf von Milch ist also anders gesagt die „Abwesenheit von Milch“.

Auf Basis dieses Insights wurde eine neue Kampagne entwickelt, die thematisiert wo und wann den Leuten im Alltag Milch fehlt, wenn sie keine haben. Und der neue Claim „Got Milk?“ erinnert sie daran, dafür zu sorgen, stets welche im Haushalt vorrätig zu haben.

Diese Kampagnen-Nadel traf den richtigen „Schmerzpunkt“ bei den Konsumenten und sorgte für den erhofften Anstieg der Verkaufszahlen. Kreative Auszeichnungen gab es als Sahnehäubchen obendrauf.

Der Punkt ist…

Consumer Insights sind überraschende Einsichten darüber, was Menschen im Zusammenhang mit Produkten oder Marken bewegt. Es geht darum, die wichtigsten Treiber und Barrieren zu einer Produktkategorie zu finden – durch Beobachtung von Einstellungen, Auffälligkeiten im Verhalten und Angewohnheiten. Diese sogenannten kulturellen Praktiken sind den Konsumenten oftmals nicht bewusst. Und uns Marketingmenschen auch nicht. Aber es lohnt sich, danach zu suchen, damit Kreativität wirken kann und nicht reine Budget- und Energieverschwendung ist.

 

Richtiges Rollenverständnis gefunden.

Das ist Zeitung! Für mich.

az1

Sonst lese ich eher müde über die Image-Kampagnen der Zeitungsverlage hinweg. Finden sich dort doch meist recht austauschbare Allgemeinplatzierungen oder aber anbiedernde Versuche, uns Lesern zu suggerieren, wir seien besonders schlau oder individuell, konsumierten wir das eine und nicht das andere Medium. Weiterlesen

Bärenmarke rührt satten Brei.

Von allem etwas und eine Prise Weihnachtsduft.

 

 

 

 

 

Klicken zum Gucken. 

Was für ein Fest für die Verkaufssinne!

Und so (oder so ähnlich) kredenzten die verantwortlichen Köche wohl mit den Zutaten:

  •  „Wir haben ein super Urteil von Stiftung Warentest. Das ist immer verkaufsfördernd. Raus damit an die Öffentlichkeit!“ 
  • „Unbedingt sollten wir unser breites Sortiment anreißen. Wir bieten ja nicht nur schnöde Milch. sondern auch innovative Produktvarianten!“
  • „Wir wollten doch auch schon immer mal so eine Geld-Zurück-Garantie-Aktion machen. Die lösen Kaufblockaden. Wenn wir schon einen neuen Spot machen, dann machen wir das doch gleich mit. […] NEIN, das widerspricht doch nicht der Botschaft mit Stiftung Warentest. Wieso auch? Wir zeigen einfach doppelt, dass man uns vertrauen kann.“
  • “Wusstet ihr, dass es Bärenmarke schon 100 Jahre lang gibt. So ein Jubiläum weckt ebenfalls Vertrauen. Das passt doch prima auf einen Störer. Gold wäre fein. Ist wertig und weihnachtlich!“
  • „Wenn wir das alles in eine Schneekugel stopfen, den Text weihnachtlich spicken und unserem Maskottchen eine Weihnachtsmütze aufsetzen, schmeckt das prima zum anstehenden Weihnachtsfeste.“

5 frohe Kernbotschaften in 20 Sekunden. Mehr geht nicht!

Beifall vom Budget. Zufriedenes Kopfnicken vom Kunden. Kopf auf Tisch von mir.

Bescheuertmilch – Unilever kratzt am Markenimage von Viss.

Ladies and Gentlemen, liebe Kinder! Hier sehen Sie das neue Feen-Spektakel von Viss PowerPro Naturals:

Fraglos: Dieser Spot ist handwerklich gut und aufwändig gemacht. Mit viel Liebe zum Detail in der Umsetzung. Und wir reden hier ganz bestimmt von keinem putzigen Budget, das Unilever zum Einsatz bringen musste.  Und ja: Hier wurde schnödes Scheuermittel mit bunten Fantasiebildern emotional beladen, und damit wahrnehmbar von der Kommunikation anderen Putzmittel differenziert. Sauber!

Allerdings nicht ganz so schonend für den Markenkern. Weiterlesen

Wenn Werbung entgegenkommend ist.

Konsequent eloquent: Outdoor für Outdoor.

Man sitzt im Skilift, die freien Gedanken kreisen, der Blick ist starr nach vorne geheftet. Man wartet. Man wartet auf die Ankunft am Berggipfel, auf das nächste Abfahrtsabenteuer. Man wartet alleine oder gemeinsam. So oder so ist die Zeit im Skilift tatenlos und langweilig.

Nach nun knapp 30 Jahren Skilifterfahrung hat sich das Warten für mich gelohnt. Ich wurde überrascht. Vom Outdoor-Ausstatter Schöffel. Und wie immer, sind gute Ideen oft ganz einfach. Wenn man sie mal gesehen hat…

Steigt ein!

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Sofa. Setzen. Sechs.

Möbel wackelig positioniert.

Vorhin im Wartezimmer beim Blättern einer (!) Wohnzeitschrift …

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Nein, nicht drei Anzeigen einer Kampagne. Drei Anzeigen dreier Wettbewerber. In einer Zeitschrift. Wobei letztes nur das Tüpfelchen auf dem i ist. Ins Auge gesprungen ist mir das insbesondere, weil ich vor rund sieben Jahren in die Entwicklung einer dieser Kampagnen involviert war. Welche spielt hier keine Rolle. Es war damals die erste in diesem Stil. Meine Marketingseele vergießt nun drei dicke Tränen:

Träne Nr. 1: Die Kampagne hat sich in den ganzen Jahren nicht weiterentwickelt.
Träne Nr. 2: Dem Wettbewerb fällt nichts als Imitation ein.
Träne Nr. 3: Keiner von allen hebt seinen Hintern vom bequemen Sofa und schafft einen eigenen Wahrnehmungsraum.

Orientierung am Wettbewerb ist anders gemeint, liebe Möbel- und Reklamemacher.
Das ist keine Differenzierung. Das ist Plüsch.

 

Von Produktpräferenzen und Pausenclowns.

Wer erntet den größten Applaus in der Marken-Manege?

 
(Foto: dpa)


Letzte Woche hob sich wieder der Vorhang beim Internationalen Zirkusfestival Monte Carlo. Spitzentalente der Zirkuswelt zeigen dort einer Fachjury ihr Können und wetteifern um die höchsten Auszeichnungen – den „Goldenen“, „Silbernen“ und „Bronzenen Clown“. (Werbewirkende unter uns erkennen Parallelen zu den „Löwen“, um die ebenfalls viel Zirkus gemacht wird.) Weiterlesen

Mein allerallererstes Marketingprojekt.

Konzept, Text und Layout: Daniela (9 Jahre)

Am Wochenende habe ich im Rahmen einer Entrümpelungsaktion einen ungeahnten Dachbodenschatz gehoben. Mein allererstes Werbeplakat. Erstellt im Jahre 1982.

Schon damals galt meine Leidenschaft der markenstrategischen Namensfindung, und mein Augenmerk der Herausstellung eines glaubhaften Kundennutzens. 😉