Werbung zum Abschminken

Markenbotschaft mit falschem Gesicht

Werber reden gerne von der Text-Bild-Schere. Ich rede gerne von Markenbotschaften, die sich selbst geschnitten haben.

Heute in meiner Twitter-Timeline gesichtet:

Maybellin

„Du bist toll, wie du bist! Kleiner Tipp von uns am Rande: Geh‘ beim Selfie aber lieber nicht zu nah ran! Ach ja, und schau mal: Was zum Abdecken deiner optischen Fehler haben wir auch!“ 

Liebe Texter von MAYBELLINE, was habt ihr euch dabei gedacht? Habt ihr gedacht? Vermutlich! Zum Beispiel, dass es unglaublich sympathisch ist, wenn ihr eurer Zielgruppe sagt, dass sie toll aussieht und sich so wohl fühlen darf, wie sie ist. Hat ja schon vor vielen Jahren bei DOVE sensationell funktioniert! Schade nur, dass ihr Schminke verkaufen wollt…

Drum prüfe, welche Aussagen man verbindet! Sonst malt ihr eurer Markenbotschaft ein absurdes Gesicht.

Jetzt gibt’s was auf die Ohren!

Halbherziges Gendermarketing für Wildentschlossene

Tee

So oder so. Egal!

Ob nun Ü-Eier für Mädchen, Kräutertee für Männer oder Chips für den Frauenabend – die hitzigen Diskussionen um geschlechterkonformen Konsum haben mich bisher wenig bewegt, weder in die eine noch in die andere Meinungsecke. Hier und da laufe ich mal schmunzelnd oder kopfschüttelnd am Regal vorbei, aber darüber aufregen? Nö.

Keiner ist gezwungen, das Gender-Zeug zu kaufen. Auf der anderen Seite gibt es scheinbar hinreichend Frauen und Männer, die sich gerne aus passenden Schubladen bedienen. Wieso auch nicht?

So sei es. Meinetwegen!

Und bevor jetzt das Thema Erziehung und Rollenprägung kommt… Als Mama einer Tochter kenne ich die nicht enden wollende Rosa-Phase und kaufte über Monate hinweg mit zusammengekniffenen Augen glitzernden Lillyfee-Kram. Meine Tochter hätte damals auch quietschvergnügt pinkfarbene Ü-Eier aufs Warenband kugeln dürfen. Das hat für mich nichts mit konservativer Erziehung nach alten Rollenbildern zu tun, sondern mit liebevoller Resignation in kindlichen Entwicklungsphasen. Auf gleiche Weise zog ich auch wochenlang Regenwürmer und Kieselsteine aus Hosentaschen. Es sind Phasen, nicht mehr. Und irgendwann reibt man sich entspannt die Augen, wenn die Tochter beim Anblick von Pink das Gesicht verzieht und Schwarz zum neuen Rosa erklärt.

Wenn Unternehmen so etwas also anbieten und Absatz finden, treffen sie irgendeinen rosaroten, himmelblauen oder kunterbunten Nerv. Wer verkauft, hat Recht! Oder halt Gewinn.

Aber so? Wieso?

Dann gibt es aber noch solche Unternehmen, die auf der Welle mitreiten möchten – ohne Surfbrett unter den Füßen. Und da regt sich mein Puls. Ein bisschen.

Nicht jedes Produkt gibt Raum zur Segmentierung nach Geschlechtern. Oder, um es artig aus Kundensicht zu denken: Nicht überall gibt es einen Bedarf nach typisch weiblichen oder männlichen Artikeln – weil schlicht und einfach kein kaufrelevanter Unterschied beim Geschmack, der Gefühlswelt oder der körperlichen Anatomie vorliegt – egal wie klischeeverklebt er auch sein sollte.

Gendermarketing

Und – verzeiht mir das unappetitliche Thema – männlicher und weiblicher Ohrenschmalz klebt auf gleiche Weise. Ohrmuscheln von Mädchen und Jungen haben die gleiche Form. Verdammt! „Wir wollten doch aber dieses Genderdingens machen!“ Unnu? Ganz einfach: „Teilen wir die Verpackung doch in Blau und Rosa – für Boys & Girls.“ Genial! Dann finden beide Geschlechter, was sie nicht suchten. Mit einem gemeinsamen Griff.

Gendermarketing? Wir waren dabei! Wenigstens ein bisschen.

Ps.: Der „Men’s Tea“ schmeckt mir übrigens besser als die Frauenversion. Gendermarketing ist, wenn man’s trotzdem kauft. 🙂

Belebenden Geschmack am Marketing gefunden

Studierende mischen den Markt für Trendgetränke auf

4 Jungs

Eines Tages stand sie in meiner Vorlesung vor mir – die weiße Dose mit dem grünen Papagei. Und dahinter: Das breite Grinsen einer meiner Studenten. Das Produkt, das aus einer Studentenlaune heraus entstanden ist, entwickelt sich inzwischen zum kleinen Überflieger. acáo hat mir nicht nur ausgesprochen gut geschmeckt (was bisher weder „Bullen“ noch „Monster“ schafften), es war allem voran ein Genuss, in meinen Vorlesungspausen den ebenso begeisterten wie klugen Gedanken und Ideen meiner Studierenden zu lauschen, die in ihrer Freizeit am Marketing des Drinks mitarbeiten. Sie organisierten mir schließlich auch das Interview mit den vier Erfindern aus Wiesbaden. Lasst euch die Kostprobe studentischer Marketingmotivation gut schmecken! Weiterlesen

Richtiges Rollenverständnis gefunden.

Das ist Zeitung! Für mich.

az1

Sonst lese ich eher müde über die Image-Kampagnen der Zeitungsverlage hinweg. Finden sich dort doch meist recht austauschbare Allgemeinplatzierungen oder aber anbiedernde Versuche, uns Lesern zu suggerieren, wir seien besonders schlau oder individuell, konsumierten wir das eine und nicht das andere Medium. Weiterlesen

Namensfindung ist eine Ordnungswidrigkeit

Ein Markenname kostet 120 Euro und 3 Punkte.

blitz

Es war die Namensidee zu einer neuen Modemarke. Sie prallte mir laut Aktenzeichen am 6. Dezember 2011 gegen 17.15 Uhr auf der A60 bei Bischofsheim unvermittelt von innen gegen meine Schädeldecke. DAS ist es! Ungebremste Freude und – ZACK!

[Foto: Mein Geistesblitz und ich]
So war das. Und so stellen sich das viele vor: Ideen erscheinen aus dem Nichts. Das ist so ein Talent. Irgendeine Gabe. Gemischt mit einer seligen Portion Zufall.

Wie schwer es sein kann, wohlgeformte Worte als Wert und Leistung zu verkaufen, weiß vermutlich jeder Werbetexter. Die Thematik wird nicht unbedingt einfacher, wenn am Ende des Auftrages ein einsames Wort steht. Und warum überhaupt werden mehrere Arbeitstage dafür berechnet, wenn die Idee doch nur einen Zufall und wenige Sekunden in Anspruch nimmt? Weiterlesen

Ermutigung zum Flop

Appell an die Bereitschaft zu neuen Lernkurven

Ein Sprung in meine Kindheit.

Wir befinden uns in den 80er Jahren des vorangegangenen Jahrhunderts. Leichtathletik bestimmt den Alltag meines jugendlichen Daseins – insbesondere der Hochsprung.

In dieser Disziplin wird man als Kind zunächst im sogenannten Scherensprung ausgebildet – um Sprungkraft und das richtige Abspringen zu trainieren. Irgendwann erfolgt der Umstieg auf den Fosbury Flop. In Wettkämpfen kann man als Kind frei wählen, welche Technik man anwendet. Es zählt einzig das Ergebnis – sprich die Höhe, die man überspringt, ohne die Latte zu werfen.

Da ich mit meinem Scherensprung auf Turnieren meist höher sprang als die anderen mit dem Flop, gab es für meinen Trotzkopf lange Zeit keinen Anlass, die Technik zu ändern – auch nicht auf die Predigten meines Trainers hin. Im Gegenteil, ich genoss geradezu die Bewunderung des Publikums, ob meiner Gabe, mit der „veralteten Technik“ auf Siegertreppchen zu gelangen. Weiterlesen

REWE-Markenstrategie stolpert über die eigenen Kartons.

Expedition Frust.

Fein gemacht.

Der Trend zur Eigenprofilierung bei Handelsunternehmen galoppiert schon einige Jahre erfolgreich durch die Branchen. Zu den ersten und konsequentesten Umsetzern im Lebensmitteleinzelhandel gehört REWE. 2006 verkündeten das Unternehmen, zum großen Schrecken der Herstellermarken, den Eigenmarkenanteil mittelfristig von 15% auf 40% zu erhöhen.

Unter dem Motto „Wo REWE drauf steht, ist künftig auch REWE drin.“ konnte man bei jedem Besuch des heimischen Marktes sehen, wie mittelmäßige B- und C-Marken, aber auch etablierte Konsumenten-Lieblinge, von Eigenmarken aus den Regalen verdrängt wurden. (Zwischenzeitlich liegt der Eigenmarkenanteil in zahlreichen Produktgruppen durchaus höher.)

Mein Konsumentenauge weinte zu Beginn dieses Trends eine Träne des Wehmuts, da auch Marken verschwanden, die ich sehr mochte. Mein Marketingauge dagegen beobachtete interessiert und zunehmend fasziniert, wie konsequent sich REWE in kurzer Zeit ein eigenständiges Profil zulegte und zur attraktiven Store-Brand formierte. Weiterlesen

Etappensiege meiner Selbstständigkeit

10 Jahre Hürdenlauf im Rückblick.

 

 

 

 

 

Diese Woche stolperte ich über die Tatsache, dass ich vor ziemlich genau 10 Jahren die Bahn des Angestelltendaseins verlassen habe. Zeit für ein Glas eine Flasche Rotwein und sportliche Reflexion. Weiterlesen

Werbung mit ohne Qualität.

Qualität kommt von Qualle.

Qualität zu fairen Preisen. Wir machen Qualität. Qualität ist unser Anspruch. Qualität und Kompetenz. … Derartiges lesen wir zuhauf auf Firmenschildern, als Markenclaims, in Werbeanzeigen und Reklameblättchen.

Aber was ist dieses „Qualität“? Weiterlesen