Buchrezension: „Benjamin Franklin – Von einem, der auszog, die Welt zu verändern.“

Mein Griff zu diesem Buch.

Breite Teile meiner heimischen Bücherregale werden von Biografien belagert. Die Regale meines Büros tragen einige Fachbücher zum Thema Kreativität. Die Biografie von Benjamin Franklin ist mir in der Kategorie Sachbuch bei Blogg dein Buch begegnet – und als solche habe ich sie gewisser Maßen auch gelesen. Denn ich war besonders neugierig auf den nicht politischen Part dieses außergewöhnlichen Lebens – den des Erfinders. Wie konnten aus einem Geiste so viele und vielfältige Ideen sprießen – und (!) innerhalb eines Lebens auch „gepflanzt“ und zum Blühen gebracht werden.  Zumal die meisten seiner Erfindungen und Errungenschaften bis heute Bestand und Einfluss auf unseren Alltag haben.

Eindrücke und Beeindruckendes.

Allem voran möchte ich – ungeachtet meines persönlichen Leseantriebs, der weniger die geschichtliche Seite betraf – unbedingt erwähnen, dass der Autor Ernst-Christian Demisch mit dieser Biografie neben dem Leben einer historischen Persönlichkeit auch einen spannenden und kurzweiligen Einblick in die amerikanische und europäische Geschichte des 18. Jahrhunderts dokumentiert. Der Autor ist Geschichtslehrer, und zeigt mit dieser Biografie, wie man aus der Perspektive eines einzelnen Zeitgenossen, Geschichte lebendig und nahbar vermitteln kann – auch und insbesondere an junge Menschen.

Meine persönliche Neugier auf den Erfinder Franklin wurde insbesondere bis zur Mitte des rund 180-Seiten-Werkes prachtvoll gefüttert.

Der Reihe nach…

Der Autor führt uns ein in die Welt und den Alltag der Puritaner an der Küste Massachusetts, in die unser Protagonist hinein geboren wurde. Wir werden Zeuge einer ungewöhnlichen Kindheit, in der bereits „das Lernen aus eigener Bemühung“ zum Prinzip seines Lebens wird.

Zunächst vermag Franklin kein Lehrberuf zu begeistern und einige werden erfolglos abgebrochen. Die Liebe zum Buch und die liebevolle Beobachtung des Vaters münden schließlich in einer Lehre zum Buchdrucker. Diese absolviert er bei seinem älteren Bruder, der alsbald zu seinem Neider wird. Heimlich türmt Benjamin 1723 nach New York und lebt fortan ungehindert seine Prinzipien und führt schon bald seine eigene Druckerei, die er mit 26 Jahren schuldenfrei hat. Bereits zu diesem Zeitpunkt genießt Franklin Anerkennung und Respekt – weil er tüchtig und klug und gut in seinem Job ist.

Wir erleben einen jungen Mann, der einen ungewöhnlich strengen Lebensplan auf Basis von 13 Tugenden entwickelt und geradezu kaufmännisch (mit Wochenlisten) kontrolliert.

Franklin hatte einen unbändigen Willen, die Welt wahrzunehmen, zu verstehen und bei Missständen zu verändern – und sein wacher Geist fand vieles, was zu verändern oder zu erfinden war. So zum Beispiel: Feuerversicherungen, leistungsabhängige Postgebühren, die Gründung einer Akademie und eines Krankenhauses für das Volk, Pflasterung von Straßen, Straßenbeleuchtung, die Nachtwache zum Schutz der Bürger, die Bürgerwehr, den Blitzableiter … und zuletzt – als Hilfe zur Selbsthilfe – die bifokale Brille.

Nach der knappen Hälfte der Biografie verlagert sich der Schwerpunkt auf sein Wirken in der Politik, in die er mit Anfang 40 einsteigt – und auch da weniger im Sinne von Parteipolitik als vielmehr mit der Ambition, sich für das Gemeinwohl einzusetzen.

Der Leser begleitet Benjamin Franklin auf seiner ereignisreichen politischen Laufbahn bis dessen Name schließlich unter der Unabhängigkeitserklärung der Vereinigten Staaten von Amerika steht. Heute ziert sein Gesicht die 100-Dollar-Note, die vermutlich mehr Wert wäre, würde man sich verstärkt an seinen Glaubensgrundsätzen orientieren.

„Beide“ Erfolgsgeschichten – die des Unternehmers und die des Politiker – basieren letztlich auf demselben ureigenen Wesen und Ziel Franklins: seinem unermüdlichen Einsatz für eine Verbesserung im Zusammenleben (und nicht das Ansinnen nach Geld oder Ruhm!).

Mein Marketing-Moment …

Gerade die recht konsequent chronologische Erzählung macht es deutlich: Egal in welchem Alter, in welcher Lebenssituation und auf welchem Teil unserer Erde, Benjamin ging stets mit offenen Augen durchs Leben. Das Prinzip, immer dasselbe: Aufmerksames Beobachten von Missständen und die Ersinnung einer passenden Lösung – die dann immer entsprechend rasch Anklang und Dankbarkeit fand und aus diesem Grund auch schnell in die Tat umgesetzt und akzeptiert wurde.

Der Satz „Go to Franklin.“ wurde zu seiner Lebzeit eine feststehenden Redewendung, wenn sich Probleme zeigten. Welch ersehnte Position, die jede Marke, jedes Unternehmen bei Zielgruppen nur all zu gerne erreichen möchte. Dieses Buch erzählt, wie es geht. Wenn man es hören will. Kurz gesagt ist es mit dem selbsternannten Lebensziel Franklins: „Nützliches zu leisten“

Zwei persönliche Momente des Schmunzelns …

Wer zu Zeiten Franklins Karriere machen wollte, benötigte in der Regel das Empfehlungsschreiben einer anerkannten Persönlichkeit. Entsprechend häufig wurde auch er um ein solches Schreiben gebeten. Allerdings missbilligte er Anfragen von Leuten, die er nicht kannte und entsprechend wenig beurteilen konnte. Für solche Fälle entwarf er einen wundervollen Musterbrief …

Das Werk schließt mit einer großartigen Grabinschrift, die Benjamin sich selbst im Alter von 21 (!) Jahren verfasst und verpasst hat. Diese wurde leider nie in seinen Stein gemeiselt.

Meine Empfehlung: Buch lesen, beiläufig lernen und zweimal lustvoll lächeln.

Beim Verlag Freies Geistesleben bedanke ich mich herzlich für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares.

Für alle, die lesen wollen, um Franklins Welt zu erobern: hier entlang.

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