Kulturwandel für den Arsch

Neulich, in Amsterdam. Ein verlängertes Wochenende bei Freunden. 18/1-groß strahlen uns bereits beim Einfahren in die Grachtenstadt klinisch saubere Herzhinterteile entgegen. Und die lieben das Wasser. Sagt das Plakat. Wir auch, deswegen sitzen wir irgendwann mit einem Glas Wein am Wasser –  und blicken auf das nächste Popoplakat. Schon herrlich, die Holländer. Denken wir.

Heute, in Mainz. Ein verkürzter Feierabend zuhause. 1/1-groß ragt er mir aus dem „Spiegel“-Magazin entgegen. Der wasserfanatische Hintern aus Amsterdam. Direkt neben „Panorama Deutschland“. Das sitzt sauber. Denke ich. Die Anzeige gibt meiner Neugier die Wahl zwischen der 00-800er Nummer und der Domain www.i-love-water.com. Ich entscheide mich für letztere. … „Server is too busy“.

Google sei Dank stößt meine ungeduldige Marketingnase auf folgenden O-Ton bei Geberit:

„Körperreinigung mit Wasser – auch auf der Toilette: Die Sanitärtechnik-Firma Geberit ist sich sicher, dass auf europäischen Toiletten ein Kulturwandel stattfindet. ‚Wir wollen diesen Kulturwandel vorantreiben‘, sagt Albert Baehny, CEO von Geberit.“

Das ist doch mal ein Auftrag!

Und wenige Zeilen später wird die Mission prominent:

„Starfotograf Michel Comte sowie Barbara Becker und Melanie Winiger tragen die Kampagne.“

Wohin? Und wie? Jetzt wird es aber interessant. Und pikant? …

„Getragen wird Geberits Offensive von einem neuen Auftritt in Werbung, Broschüren und auf dem Internet, der die Natürlichkeit und Kraft des Wassers unterstreicht. Eingefangen hat die Faszination des Wassers für die Geberit AquaClean Kampagne der Fotograf Michel Comte: Inmitten einer abgelegenen Schweizer Berglandschaft hat Comte Barbara Becker und Melanie Winiger beim Genuss des erfrischenden Nass auf Film gebannt. Die sanfte, ausgeglichene Barbara Becker und das Energiebündel Melanie Winiger sollen mit ihrer Art die gegensätzlichen Eigenschaften von Wasser – von Ruhe und Harmonie bis hin zu Kraft und Wildheit – verkörpern und der Kampagne damit Gesicht geben. Mit ihrer natürlichen Persönlichkeit unterstreichen sie auch die Kampagnenbotschaft ‚I love Water‘.“

Ohne Worte! Wir wollen die Botschaft ja nicht verwässern.

Zu guter Letzt erfahre ich noch, dass es das Kulturgut „AquaClean“ in verschiedenen Ausführungen gibt. Für jeden Bedarf, sozusagen. Mein Favorit: „AquaClean 8000plus – die Designikone für Anspruchsvolle.“ (schon ab 4.045 €)

Denn:

“Geberit AquaClean 8000plus will nicht nur optisch glänzen, es bietet auch ein Verwöhnprogramm der bemerkenswerten Art: Alle Funktionen sind individuell regulierbar, von der Position des Duscharms über die Wassertemperatur und -intensität bis zum Föhn. Dank speicherbarer Benutzerprofile (Memorysteuerung des Sitzes) stellt jeder Benutzer alle Funktionen nach seinen Vorlieben nur einmal ein und ruft sie einfach über die Fernbedienung wieder ab.“

Mit dem Föhn könnte ich mir jetzt die Tränen trocknen, während ich über der Schüssel… Nein. So tief lass ich mich jetzt nicht im Kulturrausch versinken…

Aber jetzt mal fair und ohne arschig zu sein: Ist ja wirklich kein einfaches Thema für die Werbung. An solchen oder ähnlichen Tabuthemen haben sich schon andere Werber die Zähne ausgebissen (zum Beispiel am Corega Tabs-Spot in den 80-igern). Und die Kampagne hat – falls nicht zum Kulturwandel – wenigstens das Zeug zum Kult …  www.i-love-water.com ist immer noch too busy … Ich probier’s morgen noch mal. Denn jetzt muss ich mal …

Werbepause: Geberit-Spot AquaClean

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